Zwischen Silvester-Chaos und Neujahrs-Vorsätzen: Was Eltern wirklich fürs neue Jahr brauchen

Die ersten Tage des neuen Jahres sind vorbei und überall liest man von Vorsätzen fürs neue Jahr. Vielleicht hast du dir vorgenommen, dass dieses Jahr alles anders wird: Mehr Sport, gesünderes Essen, mehr Quality Time mit den Kindern, endlich mal wieder ein Buch lesen…

Kennst du das? Diese guten Vorsätze zum Jahreswechsel, die so motiviert starten – nur um dann festzustellen, dass der Alltag schneller zurück ist als gedacht. Und plötzlich sitzen wir doch wieder im gleichen Hamsterrad wie letztes Jahr.

Warum klassische Vorsätze für Eltern oft zum Scheitern verurteilt sind

Neujahrsvorsätze sind großartig. In der Theorie. Das Problem ist: Sie stammen meist aus einer Zeit, als wir noch keine Kinder hatten. Als wir morgens ins Fitnessstudio gehen konnten, wann immer wir wollten. Als unsere Zeit tatsächlich unsere eigene Zeit war.

Mit Kindern sieht die Realität anders aus. Da kann der beste Vorsatz scheitern, weil:

  • Dein Kind nachts plötzlich wieder öfter wach wird und du morgens zu müde fürs Joggen bist
  • Die Kita anruft und du dein Kind abholen musst – mitten in deiner geplanten „Ich-Zeit“
  • Der Familienalltag einfach nicht nach Plan läuft (tut er das jemals?)
  • Du zwischen Beruf, Haushalt und Kindern kaum noch Energie für dich selbst hast

Das heißt nicht, dass Veränderung unmöglich ist. Es heißt nur, dass wir als Eltern realistischer rangehen müssen – und vor allem: gnädiger mit uns selbst.

Was Eltern wirklich brauchen: Kleine Schritte statt großer Revolutionen

Vorsatz: Mehr Bewegung – machbar: aber ohne Gym-Mitgliedschaft

Du musst nicht viermal die Woche ins Fitnessstudio, um dich fitter zu fühlen. Viel wichtiger ist es, Bewegung in deinen Alltag zu integrieren:

  • Nimm die Treppe statt des Aufzugs (klingt banal, zählt aber)
  • Fahr mit dem Rad zur Kita, wenn möglich
  • Geh mit den Kindern raus, auch wenn das Wetter mies ist – frische Luft tut allen gut
  • Mach zehn Minuten Stretching, während die Kinder frühstücken

Es geht nicht um Perfektion, sondern um Kontinuität. Zehn Minuten täglich sind besser als die große Fitness-Euphorie, die nach zwei Wochen verpufft.

Vorsatz: Gesünder essen – machbar: ohne die Familie zu nerven

„Ab jetzt gibt es nur noch gesundes Essen!“ – Ein Satz, der in den meisten Familien für Aufstand sorgt. Verständlich. Niemand möchte plötzlich auf alles verzichten, was schmeckt und ihr als Eltern habt keine Zeit, stundenlang Kochbücher zu wälzen.

Stattdessen:

  • Füge langsam mehr Gemüse hinzu, ohne gleich alles andere zu verbieten
  • Koche öfter frisch, aber ohne Druck: Auch ein einfaches Nudelgericht mit Tomatensoße ist okay
  • Hab gesunde Snacks griffbereit – Apfelschnitze, Nüsse, Möhrensticks
  • Mach gemeinsames Essen zu einem Ritual, bei dem alle mal ohne Ablenkung zusammensitzen

Es geht nicht darum, perfekt zu essen. Es geht darum, dass Essen wieder mehr Wert bekommt – als Genuss und als Familienzeit.

Vorsatz: Mehr Zeit mit den Kindern – machbar: aber die richtige Art von Zeit

„Mehr Zeit mit den Kindern verbringen“ klingt erstmal gut. Aber was heißt das eigentlich? Mehr Stunden? Mehr Action? Mehr Aktivitäten?

Oft braucht es gar nicht mehr Zeit, sondern präsentere Zeit. Momente, in denen du wirklich da bist:

  • Leg das Handy weg, wenn dein Kind dir etwas erzählt
  • Nimm dir bewusst zehn Minuten am Tag für eine Aktivität, die deinem Kind wichtig ist – Lego bauen, vorlesen, rumalbern
  • Etabliere kleine Rituale: Gute-Nacht-Geschichten, ein gemeinsamer Spaziergang am Wochenende, das Lieblingsfrühstück am Sonntag

Es sind nicht die großen Ausflüge, die Kinder am meisten in Erinnerung behalten. Es sind die kleinen, wiederkehrenden Momente, in denen sie spüren: „Papa oder Mama ist ganz bei mir.“

Die Balance finden: Eigene Bedürfnisse ernst nehmen

Hier kommt der Teil, der vielen Eltern schwerfällt: Auch du hast Bedürfnisse. Und die sind nicht weniger wichtig als die deiner Kinder.

Es ist kein Egoismus, mal eine Stunde für dich zu haben. Es ist Selbstfürsorge. Und die ist keine Kür, sondern Pflicht – sonst läufst du irgendwann auf Reserve.

Was hilft:

  • Sprich mit deinem Partner oder deiner Partnerin über feste Zeiten, die jeder für sich hat
  • Sag auch mal Nein zu zusätzlichen Verpflichtungen, die dich überfordern
  • Gönn dir kleine Auszeiten: Eine Tasse Kaffee in Ruhe, ein kurzer Spaziergang allein, ein Podcast auf dem Weg zur Arbeit

Du bist kein schlechter Vater oder keine schlechte Mutter, weil du auch an dich denkst. Im Gegenteil: Nur wenn es dir gut geht, kannst du auch für deine Familie da sein.

Ein Vorsatz, der wirklich funktioniert: Mehr Gelassenheit

Wenn ich dir einen einzigen Vorsatz für dieses Jahr mitgeben darf, dann ist es dieser: Sei gnädiger mit dir selbst.

Das Leben mit Kindern ist unberechenbar. Es wird Tage geben, an denen nichts nach Plan läuft. An denen du genervt bist, müde, überfordert. An denen die Kinder nur Unsinn machen und du dich fragst, ob du überhaupt noch etwas richtig machst.

Und genau in diesen Momenten darfst du dir sagen: „Ich mache das gut. Nicht perfekt, aber gut genug.“

Konkret bedeutet das:

  • Feiere kleine Erfolge: Die Kinder waren pünktlich in der Kita? Super! Du hast heute frisch gekocht? Großartig!
  • Akzeptiere, dass nicht jeder Tag ein guter Tag sein wird – und das ist okay
  • Vergleiche dich nicht mit anderen Eltern auf Social Media. Das, was du da siehst, ist nur ein Ausschnitt
  • Erlaube dir, auch mal zu scheitern, ohne gleich alles in Frage zu stellen

Dein persönlicher Check fürs neue Jahr

Statt dir zehn Vorsätze aufzuschreiben, stell dir lieber diese Fragen:

  • Was hat mir im letzten Jahr gutgetan? (Und wie kann ich mehr davon haben?)
  • Was hat mich gestresst? (Und wie kann ich das reduzieren?)
  • Wovon möchte ich mehr im Alltag? (Zeit mit den Kindern, Zeit für mich, Zeit mit meinem Partner/meiner Partnerin?)
  • Was brauche ich, um mich als Vater oder Mutter wohler zu fühlen?

Schreib dir maximal drei Dinge auf, die du angehen möchtest. Nicht zehn. Nicht fünf. Drei.

Und dann: Fang klein an. Ganz klein. Ein Schritt nach dem anderen.

Das neue Jahr ist kein Sprint, sondern ein Marathon

Ich weiß, es klingt abgedroschen. Aber es stimmt: Veränderung braucht Zeit. Und als Eltern haben wir oft nicht die Energie für radikale Umbrüche.

Aber weißt du, was wir haben? Die Fähigkeit, dranzubleiben. Tag für Tag. Auch wenn es mühsam ist.

Und genau das macht den Unterschied. Nicht der perfekte Start ins neue Jahr, sondern die vielen kleinen Entscheidungen, die du im Laufe der Monate triffst.

Also: Lass dich nicht stressen von den großen Plänen anderer. Mach dein Ding. In deinem Tempo. Mit deiner Familie.

Das neue Jahr ist nicht die Chance, alles anders zu machen. Es ist die Chance, bewusster hinzuschauen – und dann hier und da kleine Stellschrauben zu drehen, die dein Familienleben ein bisschen leichter, ein bisschen schöner machen.

Und das reicht vollkommen.

In diesem Sinne: Ein gutes neues Jahr! Mit all seinen Höhen und Tiefen, mit Chaos und schönen Momenten, mit Vorsätzen und der Freiheit, sie auch mal über Bord zu werfen.

Wenn ihr bei großen oder kleinen Vorsätzen und Veränderungswünschen Unterstützung sucht, meldet euch bei mir – gemeinsam finden wir Wege, damit ihr gut in und durch das Jahr kommt!