Allgemein

Es gibt keine schlechten Gefühle

Kleiner wütender Ball

Ein Plädoyer für einen gelasseneren Umgang mit der vermeintlich heftigen WUT.

Wut kennt jeder – vor allem wenn sie sich ihren „unkontrollierten“ Weg nach draußen sucht: ob als lautes Rumstampfen und Schreien oder als aggressives Luftboxen, mit rotem Kopf oder einem fetten Knoten im Bauch, der hochsteigt und heftig explodiert. Manchmal richtet sich die Wut auch gegen uns selbst und findet nach innen gerichtet in entwertenden Selbstvorwürfen ihren Ausdruck.
Ich möchte heute einen Anstoß dafür geben, diesem starken, oft als heftig erlebten Gefühl gelassener zu begegnen und vor allem es nicht als negativ, unnötig oder peinlich abzutun oder gar zu unterdrücken. Auf lange Sicht ist das nicht nur aussichtslos, sondern auch ungesund und wahrlich „unproduktiv“, denn…

die Wut hat ein ungeheures (positives) Potential.

Die Wut gehört zu unseren menschlichen Gefühlen genauso wie Freude, Angst, Trauer und Scham – die häufig als die fünf „Basisgefühle“ bezeichnet werden. Alle anderen Gefühle lassen sich darauf zurückführen bzw. diesen fünf Gefühlen zuordnen. Alle Menschen – unabhängig von Geschlecht, kultureller und sozialer Prägung – empfinden mit diesen Gefühlen.

Aber warum tun wir uns – persönlich und gesellschaftlich – dann so schwer mit der Wut und bewerten sie als unerwünscht, unangenehm, unangebracht – also negativ? Wut ist nicht erlaubt.

Wut wird als starkes Gefühl empfunden – manchmal geradezu als „wilde, unbeherrschte“ Kraft in uns. Nicht selten bekommen Kinder bei einem Wutausbruch zu hören: „Nun, nimm‘ Dich mal zusammen und beherrsch‘ Dich wieder!“. Wir geraten bei Wut mitunter „außer uns“, scheinen irgendwie die Kontrolle verloren zu haben. Manchmal schämen wir uns auch wegen eines wütenden „Gefühlausbruchs“ oder erleben uns in solchen Situationen als hilflos und fast ohnmächtig.

Wir wissen einfach nicht so recht wohin mit der Wut.

Wenn die Wut hochkocht ist es zunächst fast unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen und „vernünftig“ zu handeln. Aber genau das wird ja von uns erwartet: kontrolliert, vernünftig, überlegt, ruhig!
Diese vermeintlich unangenehmen Gefühlserlebnisse haben meines Erachtens viel damit zu tun, dass wir nicht gelernt haben, Wut als normales Gefühl zu akzeptieren und konstruktiv mit ihr „umzugehen“, in dem wir schauen, was sie uns sagen kann. Wir haben die negative Bewertung vollständig verinnerlicht.

Daher, mein Plädoyer für einen gelasseneren Umgang mit der Wut in 3 Punkten:

GEFÜHLE UNBEWERTET ANNEHMEN
…denn sie haben alle ihre Berechtigung, Wichtigkeit und ihren Sinn.
Und alle Gefühle – Trauer, Freude, Scham, Angst & Wut – haben Kraft. Es ist also nicht das Gefühl und dessen Kraft die uns zu schaffen macht, sondern dessen negative Bewertung und unser Ungeübt sein im Umgang mit ihnen.
Jedes Gefühl, kann uns – wenn wir es annehmen – helfen, zu etwas in unserem Leben Klarheit zu gewinnen oder „Stellung zu beziehen“.

GEFÜHLE SIND VERBÜNDETE
…wir müssen sie nicht bekämpfen!
Und so hat auch die Wut eine FUNKTION und eine wichtige Botschaft, denn sie sagt: „Das ist falsch!“
Sie hilft uns festzustellen, was wir wollen und was nicht. Mit ihr erkennen wir unsere Grenzen und Werte. Die Wut treibt uns voran und regt uns zum Handeln an. Sie macht uns aktiv. Wir setzen uns für uns selbst und andere ein, wenn wir wütend sind. Mit der Wut verändern wir Dinge.

BESSER KONSTRUKTIV ALS DESTRUKTIV
dann sind wir ihr nicht mehr ausgeliefert.
Wenn wir uns auf die Botschaft der Wut einlassen und erkennen, welches Bedürfnis beispielsweise nicht erfüllt oder welcher unserer Werte gerade verletzt ist, dann gehen wir mit der Wut um und sind ihr nicht mehr hilflos „ausgeliefert“. So verliert sie ihre Bedrohlichkeit und Agressivität. Wir vermeiden, dass sie zerstörerisch wirkt und beispielsweise unsere Beziehungen gefährdet.
Die Wut will nur mit ihrem Anliegen gehört werden. Dann wird sie für uns zu einem wertvollen Rat- und Impulsgeber, um uns für uns selbst (oder auch andere) einzusetzen.

 
Ich hoffe, diese Anregungen helfen, dass Sie beim nächsten Wut-Erlebnis, die Botschaft Ihrer Wut hören und sie für Ihr Anliegen konstruktiv einsetzen können!